Erntedank – Michaeli – Mabon … Zeit, das Jahr zu feiern

… alle drei Ereignisse zeigen uns an, dass er jetzt endgültig da ist. Der Herbst. Auch wenn die Tage oft noch herrlich warm und sonnig sind – die Nächte sind bereits empfindlich kühl.  Durch die kalten Nächte färben sich die ersten Blätter bunt…  Wir sind endgültig in der Jahreszeit angekommen, in der die Nächte wieder länger sind als die Tage. Zumindest in unseren Breitengraden. Zeit zum Feiern also – egal ob Erntedank, Michaeli, Mabon. Oder auch alle drei 😉

 

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

 

Rainer Maria Rilke. Seine Werke sind einfach großartig und je älter ich werde, umso berührender empfinde ich sie. Und der Herbst ist eine wunderbare Jahreszeit, sich im Ohrensessel einzukuscheln und seine Werke einfach wirken zu lassen.

 

 

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Ich persönlich liebe Jahreszeitenfeste, denn durch sie bekommt das Jahr Struktur. Sozusagen das Rückgrat, um das es sich aufbauen kann. Der Kern.  Es ist mir wichtig, zwischendurch innezuhalten und Bilanz zu ziehen – wo stehe ich gerade in Bezug auf meine Wünsche für das Jahr? … in einzelne Lebensbereichen? Ja, auch in Bezug auf das gesamte Leben. Nicht jedes Jahreszeitenfest wird alle diese Punkte in den Mittelpunkt rücken. Die Schwerpunkte liegen jedes Mal ein klein wenig anders. Doch es ist für mich immer ein sehr erkenntnissreicher Moment.

 

Mabon … die Tag- und Nachtgleiche der Kelten

Im Herbst gewinnt mit der Tag- und Nachtgleiche (auch Äquinoktium genannt) die Dunkelheit an Bedeutung. Dieser Zeitpunkt legt den Herbstanfang fest. Ab jetzt werden die Nächte bis kurz vor Heilig Abend wieder länger sein als die Tage. Die Kelten feierten diesen Tag zu Ehren der Göttin Demeter. Demeter ist die Göttin der Fruchtbarkeit von Mutter Erde.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt verlagern wir unsere Aktivitäten wieder mehr nach Innen. Unser Innenleben – und auch die Innenräume – rücken wieder in den Vordergrund. Beides ist sehr eng miteinander verknüpft, denn Deine Räume werden immer auch Dein eigenes Inneres widerspiegeln. Und umgekehrt. Schöne, erholsame Räumlichkeiten tun der Seele einfach gut und helfen, wieder in die eigene Balance zu kommen.

 

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Michaeli … Erzengel Michael und der Drache.

Auch wenn die Feste nicht einheitlich gefeiert werden – die Zeit rund um Ende September und das erste Oktoberwochenende verbindet viele Religionen und Bräuche. Mabon als Herbst Tag-und Nachtgleiche wurde bei den Kelten gefeiert. Michaeli ist ein weiterer wichtiger Brauch in dieser Zeit. Der Kampf zwischen Erzengel Michael und dem Drachen soll uns daran erinnern, dass wir uns besser auf das Himmlische besinnen, statt uns von dem Dunklen/Bösen/Schlechten hinunter ziehen zu lassen. Michaeli dient uns als Erinnerung, dass wir uns mutig und mit Tatkraft unserem Leben stellen sollen. (Hintergrundinformationen zu Erzengel Michael und dem Drachen gibt es hier)

Zu Michaeli stelle ich mir immer die Frage, was mir persönlich gerade in meinem Leben nicht (mehr) gut tut und mache mir bewusst, welches die „Schlachtfelder“ in meinem Leben sind. Lohnen sie sich überhaupt noch?!? Oder halte ich aus blanker Gewohnheit daran fest?!? … denn ein Rückzug nach Innen fällt sehr viel leichter, wenn die Kämpfe im Außen auch ruhen dürfen.

 

Erntedank… denn Dankbarkeit ist eine große Energiequelle

In christlichen Kirchen wird am Sonntag nach Michaeli dann gleich Erntedank gefeiert. Auch im Judentum und im Islam hat Erzengel Michael eine wichtige Rolle. Wenn wir uns also auch auf dieser Ebene eher auf das Gemeinsame statt auf das Trennende besinnen würden, dann wäre das sicherlich ein großer Schritt in Richtung einer friedlicheren Welt… Ein schönes, vielfältiges Erntedankfest wird nur durch ganz unterschiedliche Gaben ermöglicht. Und aus das anschließende Teilen der Gaben sorgt für Vielfalt und Austausch.

Ich bin als Stadtkind in Stuttgart aufgewachsen. Erntedank war für mich als Kind in erster Linie die Fruchtsäule auf dem Volksfest und ich fand es immer toll, dass in manchen Jahren zusätzlich ein landwirtschaftliches Fest auf dem Wasen gefeiert wurde. Da gab es dann Kühe und Ziegen und Pferde – und ich war im Glück. Mehr Bezug hatte ich nicht zum Jahresverlauf und zur Dankbarkeit über eine gelungene Ernte.

Es war mehr Zufall als Planung, dass unsere Tochter an einem Erntedanksonntag getauft wurde. Doch das wunderschön geschmückte Kloster machte mir damals erst so richtig bewußt, wie sehr das Leben uns doch beschenkt. Das kann man ja im Trubel des Alltags schnell mal vergessen… 

So zog mit unseren Kindern „Erntedank“ als ein fester Bestandteil in unser maison malou ein. Seid ihrer Kindheit schmückten wir immer einen Tisch – mit Kürbissen, Äpfeln, Kartoffeln und was auch immer in unserem Garten noch zu ernten war. Vor allem auch Blumen durften nie fehlen. Meist war es der letzte Strauß aus dem Garten, bevor eine kalte Nacht die Gartensaison endgültig beendete.

 

Erntedank – nur ein Fest für die Bauern?!?

Erntedank – die wenigsten von uns sind Bauern und leben von dem, was auf den Feldern erwirtschaftet wird. Für die meisten von uns stellt sich wohl eher die Frage, welche Ernte wir mit unseren Projekten, Plänen und Vorhaben einfahren. Ist alles gut gewachsen und können wir die Früchte unserer Arbeit ernten? Oder muckert die eine oder andere zarte Pflanze vor sich hin und braucht unsere Liebe und Zuwendung als Wachstumsdünger? Welche Vorhaben brauchen vielleicht sogar einen ganz neuen Platz, an dem sie bessere Wachstumsbedingungen vorfinden?!? All diese Erkenntnisse sind Ernten,  für die wir auch einfach mal danke sagen könnten. Selbst vermeintliche Fehler haben meistens durchaus auch wichtige Einsichten mit im Gepäck.

Auch eine Familie ist ein „Acker“ und die Kinder sind Früchte langjähriger Erziehungsarbeit. 2017 ist nun das Jahr, in dem wir dankbar und stolz auch das letzte unserer Früchtchen  aus dem maison malou in ihre eigene Welt entlassen. Dankbar sind wir auch dafür, dass wir geschäftlich können endlich unter die alten Räume einen Schlußpunkt setzen können – und das zarte Pflänzchen passend umtopfen dürfen. Pünktlich zu Erntedank schließt sich dieses Jahr für uns ein Zyklus und die neuen Projekte für das maison malou stehen schon bereit. Ich bin immer wieder erstaunt, wie zeitlich stimmig sich Projekte doch meistens entwickeln. 

Ich wünsche Dir einen wunderbaren Herbstanfang und ein schönes Dankbarkeitsfest für all die Geschenke Deines Lebens. Manchmal erkennt man die Geschenke auch nicht sofort … doch man kann die herbstliche Kuschelzeit auch dafür nutzen, sich von „ungeliebten Geschenken“ zu befreien. Denk an Michael und den Drachen 😉 

Leckere Rezepte für den Herbst gesucht?!? Wie wäre es mit dänischer Apfeltorte? Oder Kürbissuppe? … und wenn Du es Dir in Deinen Räumen richtig gemütlich machen willst, dann schau doch mal bei Wohnsinnlich – wohnen mit allen Sinnen vorbei.

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2 comments on “Erntedank – Michaeli – Mabon … Zeit, das Jahr zu feiern

  1. Oh du hast so Recht! Die Jahreszeiten zu feiern ist wirklich ein wichtiger struktureller Bestandteil – und so oft sag ich zu meinem Freund – entweder wenn wir durch die Stadt laufen & die Bäume langsam grün werden, wenn wieder an den See gefahren wird, wenn wir durch Laub laufen oder wenn der Frost langsam einzieht – wie eintönig es ohne ersichtliche Jahreszeiten wäre; dafür bin ich wirklich dankbar, jede einzelne auskosten zu können! Ich bin persönlich ein großer Erntedankfest – was nach wie vor mein liebstes in dem Dorf ist, in dem ich aufgewachsen bin. Morgen ist es auch schon wieder soweit und du hast meine Vorfreude quasi verdoppelt!

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