Die Qual der Wahl… oder ist weniger manchmal mehr?

In der Blogosphäre bin ich – wie Du ja bestimmt weißt – noch ein absoluter Frischling. Ein Welpe. Also weit davon entfernt einen „Expertenstatus“ zu besitzen. Schüler statt Meister. In der Einrichtungsbranche ist das anders. Das Thema Wohnen begleitet mich schon mein ganzes Leben und wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Und das ist ja nun auch schon ein paar Tage her… Auf diesem Gebiet musste ich mich der Qual der Wahl schon öfter stellen.

Als Lernender schaue ich mich gerade sehr intensiv in meinem neuen Umfeld um. Mein Ziel ist schließlich, Blogposts zu schreiben, die DICH interessieren – wer will schon seine Leser langweilen?!? Und so hat mich nun ausgerechnet die MICH umtreibende Frage „wie lange darf ein blogpost sein, damit die Leser nicht gleich gelangweilt wegclicken?!?“ zu diesem Artikel inspiriert. Denn ja klar – als Blogger ist man schließlich eitel… sonst würde man ja wohl kaum so tiefen Einblick in die eigene Gedankenwelt gewähren 😉

Die Antwort, die ich auf meine Frage in der Tiefe des Internet fand, löste bei mir eine ganze Impulskette aus… sowie beim Domino wurde mit der Antwort gleich ein sehr komplexer Gedankengang angeschubst. Denn wenn die Antwort, die ich bekam, richtig wäre… dann wäre ich absoluter Minimalist. Und so habe ich mich im Grunde meiner Seele bisher eigentlich nie verstanden…

Die Qual der Wahl … kann ein Minimalist gleichzeitig Genußmensch sein?!?

Minimalismus heißt in der Möbelbranche in erster Linie „reduziertes Design“ – „Konzentration aufs Wesentliche“ … und umgesetzt wird das dann gerne in sehr geradlinige Formen ohne Schnörkel und Schnickschnack. Es geht nicht ums Wohlbefinden – es geht um Funktionalität. Witzigerweise schmeißen die meisten Menschen dies dann mit dem Begriff „Moderne“ in einen Topf, was absoluter Quatsch ist…. gerade auch das Bauhaus war nicht schwarz-weiß und dass das Gegenteil von „modern“ dann „altbacken“ ist, ist genauso ein Irrglauben. Man denke nur an den sogar sehr reduzierten Shaker-Stil…. der sehr viel älter ist als die Moderne.

Das Kernproblem für sehr viele Menschen heißt ENTSCHEIDUNG. Denn eine Entscheidung für etwas ist immer auch eine Entscheidung gegen etwas anderes. Und wer mag das schon so gerne?!? Ich selber auch nicht. Als vielseitiger Mensch habe ich ganz unterschiedliche Ansprüche an mein Leben. Ich bin mitten in der Großstadt aufgewachsen und lebe nun schon seit 1987 eher ländlich. An vielen Tagen sehne ich mich zurück ins Stadtleben – kaum bin ich in der Stadt, fehlt mir der ländliche Freiraum.

Im Großen und Ganzen können wir Menschen beide Welten aber in unserer mobilen Welt ganz gut miteinander verbinden und diese beiden Lebensräume miteinander kombinieren. Der Stadtmensch gönnt sich die Auszeit auf dem Lande und der Landmensch tankt zwischendurch ein Wochenende das pralle Stadtleben. Doch wie ist das nun beim Thema Einrichtung?!?

Qualitätsmöbel sind Investitionen und können in ganz vielen Fällen über mehr als eine Generation benützt werden. Es bleibt die Frage – ist das noch zeitgemäß?!? Unser Leben ist so flexibel geworden, wir sehen so viele schöne Trends… doch wie bringen wir all das, was uns gefällt in unseren Wohnungen unter?!? 

„Dreimal umgezogen ist so gut wie einmal abgebrannt“

… sagte mein Papa immer. Da ist was dran. Denn im Gegensatz zu den Zeiten unserer Vorfahren, kennt meine Generation – Gott sei Dank! – das Problem, Haus & Hof durch Brand, Krieg oder ähnliches zu verlieren meistens eher aus Erzählungen als durch eigenes Erleben. Zumindest wer in Deutschland aufgewachsen ist. Bleiben also die Umzüge…. 

Verhindert Besitz Glücksgefühle?

Wir stehen Heute vor der Situation, dass wir immer mehr Dinge besitzen und gleichzeitig immer bewußter entscheiden müssen, wie wir mit unserem Besitz umgehen möchten. Denn von alleine verschwindet das Wenigste wieder aus unserem Leben.  In Verbindung mit immer neuen Inspirationen, wie wir leben könnten, kommen wir also sehr leicht in die Versuchung, statt einem Wohlfühlzuhause ein kunterbuntes Durcheinander anzusammeln. Kein Problem – es gibt schließlich jede Menge Experten, die Dir helfen, Dein Leben zu entrümpeln 😉

Genau damit tun sich allerdings die meisten Menschen sehr schwer. Wir sammeln ja nicht nur Gegenstände – wir horten in der Regel meistens sogar in erster Linie die dazugehörigen Emotionen. Werden diese Emotionen beim Ausmisten nicht mit angeschaut, dann wird man schweren Herzens Berge von Kisten entsorgen… um meist ziemlich schnell in den nächsten Kaufrausch zu verfallen. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt ist es höchste Zeit, dass Du Dich fragst „wie möchte ich eigentlich WIRKLICH wohnen?!?“ Die Qual der Wahl…

Resonanzgesetz, Spiegelgesetz, Gesetz der Anziehung… das alles wird Dir meistens genannt, wenn Du in Deinem Leben etwas verändern möchtest. Deine Wohnung ist ein Spiegelbild, eine Manifestation Deiner ganzen Gedanken- und Gefühlswelt – und damit auch Deiner Lebenssituation. Und ja – wie schon in meinem Beitrag „Am Anfang war die Wünschelrute“ beschrieben – natürlich ist es unglaublich wichtig, einen guten Wohnplatz zu finden. Ein guter Platz ist die beste Basis überhaupt für ein Wohlfühl-Zuhause. Feng Shui als Psychologie des Raumes kann gute Erkenntnisse vermitteln……… aber all das sind trotzdem äußere Einflüsse. Deine INNEREN EINFLÜSSE sind jedoch genauso stark und wichtig! Und sie werden sich Gehör verschaffen – ob es Dir passt oder nicht.

Beachte Deine Gefühle

Setz Dich doch mal ganz in Ruhe hin und meditiere darüber, wie Du gerne wohnen würdest. Welche Seelenbilder tauchen dabei auf? Wenn wir zu diesem Thema nämlich befragt werden, dann tauchen spontan oft eher Ortsbeschreibungen auf  wie zum Beispiel „am Meer“, „wie in den Bergen“, „einem englischen Cottage“. Es geht meistens gar nicht so genau um einen ganz speziellen Ort – aber es geht um die Gefühle, die Du mit diesem Ort verbindest. Das kann ein besonders schöner Urlaub gewesen sein – oder auch eine Kindheitserinnerung. Von mir aus auch ein Film oder ein Buch, das Dich ganz besonders berührt hat.

Genau so wie Erinnerungen an Orte Gefühle hervorrufen – so funktioniert das auch mit Farben. Ist der Trend zu sogenannten „non-colors“ , wie er nun schon seit einigen Jahren favorisiert wird vielleicht einfach nur ein Spiegel dafür, dass in unserer Gesellschaft vielen Menschen Gefühle einfach auch ziemlich unheimlich sind?!?

Der Trend, das ganz private eigene Zuhause wie ein Hotel zu stylen läßt die Frage auftauchen, ob dahinter nicht einfach der Wunsch steht, Verantwortung abzugeben – im Hotel hat man schließlich für alles Personal. Eine komplett durchgestylte Einrichtung wirkt Zuhause jedoch sehr schnell unpersönlich und ja – sogar leblos. Perfektion kann sehr langweilig sein und den Geist ermüden statt erfrischen. Die meisten Menschen ertragen dieses „Hotelambiente“ in den eigenen vier Wänden nicht sehr lange. Das Unterbewußtsein wehrt sich.

Dein Zuhause ist Deine Hülle 

Es gilt also beim Einrichten einen guten Mittelweg zu finden. Ein Raum mit einer unpersönlichen Ausstrahlung wird Dir genauso wenig als Ort zum Auftanken dienen als ein Raum, der ungefiltert Dein komplettes bisheriges Leben konserviert. Jeder Mensch verändert sich im Laufe seines Lebens und genauso verändern sich auch die Bedürfnisse, die durch Deine Räume befriedigt werden sollen. Ein Kleinkind braucht eine andere Umgebung als ein Teenager, ein junger Erwachsener wird sich anders einrichten als eine frisch gebackene Familie…. und wenn die Familie dann im Laufe der Jahre wieder kleiner wird, dann ändern sich die Bedürfnisse natürlich auch.

Jeder einzelne Lebensabschnitt geht ganz individuell mit unterschiedlichen Farbvorlieben einher. Die entsprechenden Erinnerungsstücke werden diese Farbvorlieben auch widerspiegeln. Wenn Du also all Deine Möbel und Accessoires aus den einzelnen Phasen unverändert in einem Raum konservierst, dann wirst Du immer in einer Art „Villa Kunterbunt“ leben und weit entfernt von einem erholsamen – und womöglich auch noch stylischem – Zuhause. Du wirst mit einem Bein immer in den Gefühlen und Lebensphasen der Vergangenheit stehen… und diese Themen werden sich dabei zwangsläufig auch in Deiner jetzigen Lebensphase in irgendeiner Form Gehör verschaffen.

Finde den Hintergrund

Ein Beispiel dazu aus meinem Arbeitsalltag: ein ca. 30 Jahre altes Sofa konnte im aktuellen Zustand wirklich nicht bleiben – selbst mit viel Liebe betrachtet war der Stoff einfach nur noch kaputt und die Polsterung total hinüber. Bequem darauf sitzen?!?!? Schon lange nicht mehr. Das alles nahm die Besitzerin auch durchaus wahr und ging auf eine Odyssee durch unzählige Einrichtungshäuser. Doch natürlich konnte kein Sofa dieser Welt an die Schönheit und Perfektion ihres gewohnten Sofas reichen. Sie kam zu mir in der Hoffnung, ich könne für sie den bisherigen Stoff noch einmal finden. Oder zumindest etwas fast gleiches. Der Stoff war ursprünglich braun und gemustert. 

Wir schauten gemeinsam unzählige Stoffe an –  mit dem Schwerpunkt braun und gemustert. Die Sofabesitzerin wurde immer unglücklicher. Die Qual der Wahl. Unzählige Stoffe – und keiner passte. Ob wir vielleicht das Sofa nur neu polstern könnten und dann den 30 Jahre alten Bezug wieder darauf machen könnten….?!?!? Das war eine neue Variante – öfter gibt es den unappetitlichen Fall, dass Kunden gerne aus Preisgründen nur mit einem neuen Stoff ein uraltes, kaputtes Innenleben übertünchen wollen…. quasi neues make-up auflegen 😉

Ein Blick in den Raum genügte um festzustellen, dass es nicht um braune Muster ging – sondern um die mit dem Sofa verbundenen Emotionen. Die holten wir gemeinsam ans Tageslicht – sprachen darüber – lösten sie… und fanden einen wunderbaren Kompromiss. Das Sofa darf bleiben – aber neu gepolstert und mit einem unifarbenen Stoff… in himmelblau. Eine Farbe, die übrigens die Kommunikation fördert. Der Stoff war in wenigen Minuten ausgesucht, nachdem die Blockade gefunden war. Die Qual der Wahl lag nicht bei den Stoffen. Die Qual der Wahl war „welche Emotionen dienen mir aktuell noch“.

 

Die Entscheidung liegt allein bei Dir

Und was das Ganze mit Buchstaben und Blogpost-Längen zu tun hat?!?
Nun … am Anfang ist der Buchstabe und aus diesen finden wir Worte. Meiner Meinung nach braucht es nicht viele Worte, um eine Botschaft zu setzen – wenn die Qualität stimmt. So ist es auch bei Möbeln. Man braucht nicht viele – aber man braucht die Richtigen. Dann kann man auch verschnörkelt und blumig mit wenigen Worten – ganz minimalistisch – den Empfänger erreichen. … und genauso kann man glamouröse und schmeichelnde Stoffe einsetzen und trotzdem sehr minimalistisch wohnen. Vorausgesetzt man trifft Entscheidungen… für die – persönlich – richtigen Worte, für das – persönlich – richtige Interieur.

Jetzt liegt die Wortanzahl dieses Posts immer noch an der unteren Grenze der von „Experten“ festgelegten Anzahl… und trotzdem habe ich doppelt so viele Worte geschrieben wie sonst. Ich bin der Überzeugung, das reicht für den Moment an Inspiration… und verschiebe die Feinheiten zu diesem Thema auf einen zukünftigen Beitrag 😉 

Die Qual der Wahl… Schreib mir doch einfach mal, welche Lesemenge Dir am liebsten ist – ich freu mich darüber, denn schließlich schreibe ich für DICH. Danke, dass Du mir Deine Zeit bis hier geschenkt hast. 

Willst Du mehr dazu wissen?

Wenn Du den Sommer dazu nützen möchtest, mehr Klarheit in Deine momentanen Einrichtungsvorlieben zu bringen und Dir dabei Unterstützung wünschst, dann kannst Du gerne mit mir einen Beratungstermin vereinbaren… oder Dir noch einen der Restplätze bei meinen Sommer-Workshops sichern:   die Termine findest Du unter Veranstaltungen.

Die Qual der Wahl stört Dich nicht – Du möchtest lieber gleich starten und Dein Zuhause umgestalten? Dann schau doch mal auf Wohn Sinnlich – Wohnen mit allen Sinnen vorbei. 

 

 

 

 

 

 

8 comments on “Die Qual der Wahl… oder ist weniger manchmal mehr?

  1. Ich war erstaunt, zu lesen, dass der Beitrag unter der empfohlenen Länge liegt, denn ich bevorzuge bei Beiträgen, die ich „privat“ lese, eher kurze Texte, die ich mal zwischendurch lesen kann. Auch diesen Text las ich aus dem Grund erst ein paar Tage später, als ich „die Zeit gefunden hatte“. Aber der Text ist gut geschrieben und man hat nicht das Gefühl, Zeit zu verlieren, sondern Inspiration und Information zu gewinnen. Daher habe ich den Text beim Lesen dann auch nicht als zu lang empfunden. Das kann sich nicht jeder auf die Fahne schreiben. Daher: Hut ab!

  2. Liebe Biggi,

    wenn man wenig zu sagen hat, reicht ein minimalistischer Blogartikel. Wenn man viel zu sagen hat, kann er auch sehr lange sein. Wichtig ist für mich der Inhalt. Und wenn der spannend ist, lese ich auch ein Buch :-).

    Ich denke, das passt schon, wie du das machst. Auch für diverse Rankings wird der Inhalt immer wichtiger und nicht die Anzahl der Wörter, die Auflistung der richtigen Keywords ….

    Außerdem willst du ja Spaß haben bei deinem Blog, vielleicht eine Botschaft weitergeben und keine für ein Ranking aneinandergereihte Wortsammlung.

    Also mach es einfach so, wie du es für richtig hältst. Deine Leser wird das freuen.

    Liebe Grüße, Andrea

    • Danke liebe Andrea – genau so ist es. Ich bin sehr froh, dass meine Leser das genauso sehen 😉
      Herzliche Grüße nach Österreich
      Biggi

  3. Liebe Biggi,
    gute Gedanken… und spannend, wiel mich das Thema gerade beschäftigt. Mir ein zu Hause so zu eschaffen, wie ich es wirklich möchte… Ich habe es von Anfang an so gehandhabt, dass ich immer wenig habe, Klarheit, und Raum, ich liebe das, trotzdem natürlich schön und gemütlich. Ich miste gern aus. (-; ich denke, es ist ein Balanceakt, den jeder nur für sich selbst finden kann. Ich bin auf jeden Fall der Meinung: weniger ist mehr, aber nur, wenn das wenige super ist. (-;

    • Liebe Caroline,
      da bin ich ganz bei Dir. Und die Hauptsache ist wirklich, ein Zuhause zu haben, das einem auch entspricht.
      Ganz herzliche Grüße
      Biggi

  4. Dieser Artikel war ja an manchmal Stellen richtig philosophisch, hast mich richtig zum Nachdenken gebracht 🙂 Ich persönlich bevorzuge in der Regel auch eher die kürzeren, übersichtlicheren Texte zum Lesen, aber gleichzeitig erwische ich mich dabei, wie ich öfter mal richtig lange Texte lese, wenn es von den Interessen her passt… Ich habe eine Seite an mir, die in manchen Fällen den Minimalismus bevorzugt. Aber normalerweise hätte ich mit Minimalismus echt Schwierigkeiten, wahnsinnig interessantes Thema!

    • hahaha Julia – das kenne ich doch irgendwie 😀 Minimalismus ist wunderbar… solange man trotzdem noch genießen darf und kann. Schön, dass Du mein maison malou gefunden hast. Herzliche Grüße Biggi

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